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Revierinformationen
über den Steppensee Balaton

Allgemeine
Informationen
Mit einer Wasseroberfläche von fast 600 Quadratkilometer
ist der Plattensee der größte See Mitteleuropas.
Er ist sehr flach, erwärmt sich deshalb rasch und lockt
ca. 6 Monate im Jahr Badelustige an. Seine Länge beträgt
77,8 km, seine Breite zwischen 3 und 12,5 km die Uferlinie
beträgt 195 km und die durchschnittliche Wassertiefe 3,14m.
Bei Tihany-rév ist der See mit 1,5 km am schmalsten. Dort
verläuft auch die Personen- und Autofähre (Verbindung
Nord-Süd). Vor Tihany ist der See 12,2 m tief.
Das Wasser
des Sees ist sehr sauber, deshalb gilt es als oberstes Gebot,
dieses Wasser vor zahlreichen Gefahren der modernen Zivilisation
zu bewahren. Wegen der strengen Wasserschutzvorschriften müssen z.B. Motorbootfahrer in andere Gewässer ausweichen.
Um so wohler fühlen sich die Segler, die zahlreichen Surfer
und natürlich die Badegäste.
Oft wird das Wasser als seidig bezeichnet, zumindest
signalisiert die Haut diese Wirkung. Das ist keine
Illusion: Das Wasser ist schwach alkalisch und weich, man
könnte es aufgrund der feinen Schwebestoffe und
mineralischen Partikel sogar als stark verdünntes
Mineralwasser bezeichnen. Die Sonneneinstrahlung, das Mikroklima und das zwar nicht
salzhaltige, aber an Mineralien reiche Wasser ermöglichen
ähnliche Badefreuden wie am Meer - und das oft schon ab
Mai bis hin zum Frühherbst im Oktober.
Der Plattensee ist jedoch nicht nur ein riesiges "Strandbassin",
sondern auch ein lebendes Gewässer. Seine Fische gehen den Fischern
in ihren kleinen Booten in die großen Netze oder den Einheimischen
und Gästen an die Angel, die auf Stegen, in Kähnen, an den
Molen oder ausgebauten Uferabschnitten geduldig darauf warten.
Für den Fischreichtum wird übrigens auch "künstlich"
gesorgt. Alljährlich werden Jungfische im See ausgesetzt.
Spricht man vom Balaton, müssen natürlich auch die Fischgerichte
Erwähnung finden. Der beliebteste Fisch ist der "Weißfisch"
oder die Brachse, eine schlanke, kleine Karpfenfischart,
die in Mehl und Paprikapulver gewendet und dann gebacken wird.
Die Gräten kann man ohne Bedenken mitessen. Im Beliebtheitsgrad
folgt dem Weißfisch der "Fogosch" (deutsch: Zander),
ein Raubfisch, der bis zu 10 kg auf die Waage bringen
kann. Der grätenlose Fisch mit seinem weißem Fleisch
kann sich im Geschmack mit der Forelle messen, er wird zumeist
im Ganzen gebraten, egal wie groß er ist. Der Weißfisch
wird in Fischbuden am Strand angeboten, der Fogosch, bzw.
Zander als Delikatesse in vornehmen Restaurants serviert.
Ungarn hat ein gemäßigtes Klima, auf das See- und Kontinentalklima
wechselnd einwirken. Im südlichen Landesteil und vor allem
am Plattensee herrscht der mediterrane Einfluss vor. In diesem
angenehmen Klima gedeihen viele Pflanzen und Bäume, die
man sonst nur in den Mittelmeerländern findet. An den Südhängen
des Nordufers wachsen z.B. Mandelbäume, in vielen Gärten
reifen Feigen, und oft schimmern Granatäpfel durchs Laub.
Die Einwohnerzahl der Balaton-gegend stieg innerhalb zweier
Jahrzehnte von 100.000 auf knapp 150.000 an, doch im Sommer
halten sich mindest doppelt so viele Menschen am See auf.
Deshalb öffnet ein Teil der Geschäfte und Gaststätten nur
in der Urlaubssaison, dafür stehen im Sommer mehr und mehr
Lebensmittelgeschäfte auch sonntags den Kunden zur Verfügung.
Die Eisenbahnlinien verlaufen im Süden dicht am Ufer, am
Nordufer schlagen sie um die Halbinsel Tihany und die Berge
von Badacsony einen Bogen, kehren aber nachher wieder in
Ufernähe zurück. Alle Orte am Plattensee verbindet ein dichtes Netz
von Linienbussen. |
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Hydrographische Merkmale
Der Wasserstand des Plattensees wird durch
Niederschlag, Zufluss, Verdunstung und die
Wasserstandsregelung der Schleuse zum
Sió-Kanal
bestimmt. Durch
Niederschlag auf das 5.800 km² Einzugsgebiet gelangt
jährlich knapp eine Milliarde Kubikmeter Regenwasser in
den Balaton, das entspricht ungefähr dem jährlichen
Wasserverbrauch in Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommen 370
Mio. m³ Niederschlag auf dem Plattensee selbst sowie 500
Mio. m³ Frischwasser durch zahlreiche Bäche und die Zala.
Wegen des geringen Niederschlags im Sommer, ist durch Verdunstung ein
Abfall des Wasserspiegels um 1 cm pro Tag zu beobachten.
Über die Saison gesehen fällt der Wasserspiegel um 50 bis
100cm. |
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Wellengang
Bedingt durch die niedrige Wassertiefe gibt es am
Palttensee eine sehr kurze,
steile Welle.
Die Durchschnittshöhe des durch den Wind verursachten
Wellenganges beträgt 100 bis 130 cm, die Wellenlänge bewegt
sich um 2 bis 12 m. Die maximale Wellenhöhe entsteht
bei N-NW-Winden, die sich senkrecht zur Längsachse des
Sees auswirken. Bei plötzlich, schnell aufkommenden Winden
entwickeln sich recht massive und hohe Wellen, aber innerhalb
von 1,5 bis 2 Stunden nach Abflauen des Windes hört auch
der Wellengang auf. |
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Spiegelausschlag - Wasserschwingung
Der See besteht aus
dem Ost- und dem Westbecken, die durch die Halbinsel Tihany getrennt
und lediglich durch eine 1,5 km breite Passage (zwischen Tihany Rév
und Szantód) verbunden sind.
Unter Windeinwirkung verlagert sich die Wassermenge des
Sees nach Lee und so erfolgt ein bedeutender
Wasserspiegelabfall. Das Wasser wird je nach Windrichtung von
einem Becken ins Andere gedrückt. Der Wasserspiegel fällt an
einem Ufer und am Anderen steigt er.Beim beobachteten
größten Ausschlag am 14. Mai 1962 entstand in neun Stunden bei
Keszthely ein Abfall von 45 cm, bei Alsóörs immerhin ein Anstieg von
52,5 cm. Der gleichzeitige größte Wasserspiegelunterschied betrug 80
cm, die Geschwindigkeit des Windes betrug dabei 20 m/s. |
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Strömungen
Bedingt durch die starken Ausschläge
entstehen bedeutende Strömungen zwischen den einzelnen
Becken und auch in den Becken selbst. Die stärkste Wasserströmung
kann in der Enge zwischen der Halbinsel Tihany
und dem Ufer Szantód beobachtet werden. Hier erfolgt der
Wasseraustausch in engem Querschnitt zwischen dem östlichen
und westlichen Becken . An dieser Stelle treten hohe
Wassergeschwindigkeiten auf, die in einzelnen Fällen
die Werte von 1,4 bis 2 m/s (5 bis 7 km/h) erreichen.
Die Strömungen Richtung Keszthely hat im allgemeinen eine
niedrigere Wassergeschwindigkeit, aber dauert länger als
die in Richtung Balatonkenese. Es gibt eine starke Strömung
beim Anfang der Bucht von Kesthely und in der gesamten
Bucht selbst. Hier lassen sich allerdings niedrigere Wassergeschwindigkeiten
0,3 bis 0,4 m/s ( 1 bis 1,4 km/h ) beobachten. |
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Wind und Sturmwarnung
Der vorherrschende Windrichtung am
Plattensee ist N und NW. Im östlichen
Becken (zwischen Balatonkenese und Tihany) ist der NW
Wind, im westlichen Raum (zwischen Tihany und Keszthely) der Nordwind typisch. Die
durchschnittliche Windstärke im
Jahresmittel beläuft sich auf 3 bis 4 Bft. Im
Winter
und im Frühling kommen SO und SW Winde
häufiger auf als sonst. Während der Segelsaison zeigt ein Südwind
(meistens 2 Tage vorher) eine Schlechtwetterfront an. Je stärker der
Südwind, desto größer die Front.
Das Meteorologische Institut in Siófok betreibt jeweils zwischen
1. Mai und 30 September ein Sturmwarnungssystem . Wenn
der Wind in 3 Stunden die Stärke von 12m/s erreichen kann,
wird die Sturmwarnung der Stufe I verordnet. Übersteigt
die Windgeschwindigkeit sofort oder in 1 - 2 Stunden 17m/s
wird die Sturmwarnung der Stufe II verordnet. An 24
Stellen entlang des Ufer zeigt ein gelbweißes Blitzlicht die
Sturmwarnung
an.
Stufe I: 45 Blitze / Minute: Segelboote (kürzer als 6m und kleinere Segelfläche als
10m²)
und Wassersportfahrzeuge (Tretboote, Kanus, etc.) dürfen nur innerhalb
einer 500 m breiten
Zone vom Ufer fahren.
Stufe II: 90 Blitze / Minute:
bedeutet ein
Fahrverbot für oben genannte Boote und Wassersportfahrzeuge. Schwimmen ist ebenfalls
verboten. |
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Yachthäfen
um den Plattensee
(bitte senden Sie uns Ihre Erfahrungen)
Fast alle Häfen haben immer Liegplätze für 1-2 Nächte
frei. Sollte einmal kein Gastliegeplatz mehr frei sein, wird Platz
gemacht. Sie bekommen entweder einen Festplatz, einer sich auf Törn
befindlichen, Yacht zugewiesen oder Sie können sich an einer anderen
Yacht längsseits festmachen. Meistens wird über den Bug angelegt.
Heckanker sind nicht notwendig, da zu 95% Poller zum Festmachen
vorhanden sind. Fast alle Marinas wurden vor Kurzem renoviert oder neu
gebaut und verfügen über Stromanschluss (220 V) und guten bis
ausgezeichneten Sanitäranlagen. Beim Einlaufen an einem freien Platz
festmachen und gleich den Hafenmeister aufsuchen (zuerst zum kühlen
Bier zu laufen kann zu bösen Streitigkeiten führen). Dieser wird Ihnen
dann einen freien Gästeplatz zuweisen. Die Hafengebühren belaufen sich
auf um die 5.000- HUF (ca. 20-EUR) / Nacht für 25 Fuß-Schiffe. In der Vor- und Nachsaison
ist es schon vorgekommen, dass manche Hafenmeister auf die Gebühr (aus
Gemütlichkeit) verzichtet haben. Ein kühles Bier oder ein Kaffee
schafft schnell Freunde ;-) Fast alle Hafenmeister sprechen deutsch
oder englisch, sollte das nicht der Fall sein findet sich schnell ein
Dolmetscher. |
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Tihany |
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Balatonfüred |
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Balatonlelle
Dieser Hafen ist sehr zu
empfehlen - modern und sauber. Er hat genügend
Gästeplätze und das Frühstück im Yachtcafe ist ausgezeichnet. Auch für
das Nachtleben und einen ausgiebigen Einkaufsbummel ist gesorgt. In
das Hafengelände kommt man nur mit einer Magnetkarte. Der Hafenmeister
befindet sich beim Parkplatz rechts gleich nach dem Hafencafe. Man
kann gratis das neben dem Yachtclub befindliche Seebad benutzen. Dort
gibt es Wasserrutschen, Bootsverleih und zahlreiche Bars und
Erfrischungsstände.
Lage der Gästeplätze: jeweils die ersten beiden Plätze (längsseits,
einmal backbord und steuerbord) jedes Steges, zusätzlich am ersten
Steg 3 Plätze links und rechts.
Für Strom ist gesorgt, allerdings nicht für einen Schukostecker. In
dieser Marina benötigt man einen 3-poligen Stecker. Den Adapter dazu
bekommt man aber auf Wunsch beim Hafenmeister.
Für das Frühstück empfehlen wir das im Hafengelände befindliche Cafe.
Für Mittag- oder Abendessen empfehlen wir das Restaurant neben der
Pizzeria auf dem Anfang der Hafenpromenade.
Achtung: Es ist von den gemeinsam betriebenen Lokalen das Rechte wenn
man davor steht. Bei besonders heißen Tagen wird am Eingang des Lokals
kalter Wasserdampf versprüht.
Tipp: Gegrillte Fischplatte mit Bratkartoffel, Wels gebraten.
Kesselgulasch oder Camembert mit Sauce Tartar als Vorspeise.
Den Nachtisch bzw. hervorragende Cocktails kann man in der Pizzeria
gleich neben dem Hafen (Ecklokal) zu sich nehmen. Man sitzt direkt
neben dem Wasser und kann sich meistens von Lifemusik berieseln
lassen. Tipp: Tiramisu (Thomas Schwertberger) |
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Szigliget
Szigliget
/ca. 1100 Einwohner) liegt auf einer
Halbinsel. Dieses Gebiet mit seinen Hügeln
und Tälern gehört zu den Schönsten des Balatons. Sein höchster
Punkt beträgt 243 m. Eine malerisches, mediterrane Landschaft mit Obstbäumen, Weingärten,
einem Festungsberg und
Burgruinen. Auf dem Hauptplatz der Gemeinde befindet sich das
bekannteste Gebäude - das Esterházy- Schloss, das am Anfang des
19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil gebaut wurde. Szigliget
ist ein viel besuchter Ausflugs- und Ferienort.
Yachthafen: Gute
Gastliegeplätze, Sanitäranlagen OK. Sehr gutes und preiswertes
Hafenrestaurant. Sonstige Lokale sind zu Fuß relativ weit entfernt.
(Elfi u. Leo Brtna) |
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Keszthely
Yachthafen:
Sehr großer Hafen, gute Liegeplätze, sehr schöne Sanitäranlagen.
Notwendige Magnetkarte beim Hafenmeister im Austausch mit
Schiffspapiere, werden nach Liegegeld Bezahlung retourniert. Strom nur
mit blauem EC Stecker (Adapter für Schukostecker nötig, bei
Hafenmeister erhältlich) Weg zur Stadt ca. 30 Minuten, Taschenlampe
für nachts nötig, da keine Wegbeleuchtung. (Elfi u. Leo Brtna) |
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Badacsony
Yachthafen: Schön, aber durch Zugsverkehr etwas laut. Gastronomie für jeden Wunsch
und jede Preiskategorie (von Kiosk bis Luxusrestaurant) zu fuß erreichbar.
Eventuell mit Taxi den Berg hinauf, ausgezeichnete Lokale und
wunderschöner Blick. (Elfi u. Leo Brtna)
Dieser Hafen ist sehr zu empfehlen. Er ist zwar nicht so modern
wie Balatonlelle, aber er ist sehr sauber und liegt idyllisch am Fuße
des berühmten Weinberges. Der Hafen hat genügend Gästeplätze und das
Frühstück im Yachtcafe ist ausgezeichnet. Auch für das Nachtleben und
einen ausgiebigen Einkaufsbummel ist gesorgt. In das Hafengelände
kommt man nur mit einer Magnetkarte. Der Hafenmeister befindet sich
gleich links nach dem Hafencafe.
Für das Frühstück empfehlen wir das im Hafengelände befindliche Cafe.
Tipp: Schinken-Käse-Toast und Espresso
Für hungrige und sportliche Segler empfehlen wir den "Fußmarsch" von
ca. einer halben Stunde auf den Weinberg. Bevor man den Gipfel erreicht befindet sich auf der
linken
Seite das romantische, von Weingärten umgebene, idyllisch gelegene "RÓZSAKÖ
BORPINCE ÉTTEREM" [Rosenstein Weinkeller Restaurant] mit Blick über
den Balaton. Es gibt dort Grillspeisen oder eine deftige Jause mit guten Tröpferln vom Weinberg. Sollte man auf den Geschmack gekommen sein,
und man will sich mit Weinflaschen eindecken, dann hat man in der gut
bestückten Vinothek die Möglichkeit dazu.
Und für hungrige und faule Segler steht die Berg- und Talfahrt mit den
bekannte Jeeps zur Verfügung. Man sagt am Fuße des Berges das
gewünschte Lokal und wird um ca. 4000 Forint vor die Türe gebracht.
(Thomas Schwertberger) |
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Balatonboglar
Gute Gastliegeplätze, Wanderung zur Aussichtswarte (große
Metallkugel) ca. 45 Minuten, schöner Rundblick auf den See.
(Elfi u. Leo Brtna) |
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Zánka
Dieser Hafen ist für Segler mit Kindern sehr zu empfehlen. Der
Hafen hat nicht besonders viele Gästeplätze und liegt nicht direkt
beim Ort Zánka.
Lage der Gästeplätze: Genau an der Mole beim Hafenmeister. Man muss
durch das ganze Hafenbecken. Die meisten Liegeplätze sind fest
besetzt. Festmachen nur nach Anweisung durch den Hafenmeister. Es ist
schon vorgekommen, dass er schon fix vergebene Liegeplätze
vergibt und man sich in der Nacht mit den Besitzern herumstreiten muss
:-(
Man liegt hier auch bei starkem Nordwind sehr Windgeschützt. ACHTUNG:
Sie benötigen eine relativ lange Heckleine die auf einem Mooring
(Boje) zu befestigen ist. (nicht wie sonst üblich auf Pollern).
Für das Frühstück empfehlen wir nicht das im Hafengelände
befindliche Cafe, sondern eher auf Selbstversorgung.
Tipp: Kaffeeautomat befindet sich links neben dem Duscheingang.
Ca. eine halbe Stunde Fußweg aus dem Hafengelände hinaus. Der Gehweg
vom Hafen führt zu einem Fuß- bzw. Radweg links vor der
Bahnüberführung. Bei dieser Abzweigung die kleine Steigung hinauf, bei
den Tennisplätzen vorbei und die kleine Strasse links neben der
Eisenbahn geradeaus. Dann findet man auf der linken Seite nach der
Abzweigung rechts zur Bundesstraße ein gemütliches Restaurant mit
einem netten Gastgarten.
Tipp: Das Cordon-Bleu, den im Lokal ansässigen Schäferhund "Rusty" ein
paar kleine Stücke vom Essen abgeben ;-)
Bei Lust auf Pizza den Weg von der Marina immer geradeaus gehen. Hat
aber nur in der Hauptsaison geöffnet. (Thomas Schwertberger) |
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Siófok
ist die Party-Hauptstadt am Plattensee (Ballermann am Balaton)
Im Juli und August ist es im Hafen durch die vielen Discotheken
sehr laut. Sehr viele Restaurants und Nachtleben.
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Balaton
(Reisebericht aus
der YACHT Heft 5/1999
von Bodo Müller)
Ungarns
großer Binnensee ist fast wie ein kleines Meer. Mit Temperaturen
wie in der Karibik, sauberen Häfen und moderaten Preisen.
Umgeben von berühmten Weinbergen. Leichter, auflandiger Wind beschleunigt
den Klassiker nahe Badacsony. Dann heißt es hinaus aus dem
Hafen und Segel setzen. Kaum Schutz bietet die Fingerpier
von Szigliget. Hier sollte man nur bei West bis Nordwest
anlegen.Das Thermometer am Clubhaus des Seglerhafens Balatonfüred
zeigt 34 Grad im Schatten. Über ihm wölbt sich strahlend
blauer Himmel. Nur wenige Wolkenfetzen im Westen geben Hoffnung
auf etwas Wind. Badehose und Bikini sind die Gesellschaftskleidung
im Clubrestaurant, auf der Pier und an Bord sowieso. Neben
der Bar spielt eine Jazzband, die Stimmung ist ausgelassen.
Yachtvercharterer Peter Fekete hat uns eine nagelneue
ungarische Top 34 übergeben. Auf der Seekarte für den Balaton
(ungarisch für Plattensee) sind nicht nur Tiefenlinien und
wichtige nautische Angaben, sondern auch Weinberge und Weinkeller
eingezeichnet. Während wir den Motor starten, löst Peter
die Festmacher und ruft uns hinterher: "Das schönste Stück
Ungarn ist der Weinberg Badacsony. Fragt nach dem Keller
der Elisabeth. Da gibt es einen besonderen Wein, den 'Grauen
Mönch'." Wir passieren die enge Hafenausfahrt. Hier herrscht
reger Verkehr. Ob Strandkatamaran oder 13-Meter-Yacht -
viele Boote steuern unter Segeln wie in Zeitlupe hinein
oder heraus und sogar bis in die Box. Dabei liegen die Stege
enger als in den meisten deutschen Marinas.Gleich hinter den Molenköpfen stoppe ich die Maschine,
denn von meinem ersten Balaton-Törn vor fast zwanzig Jahren
weiß ich: Hier gilt Motorverbot. Dennoch wollen wir in einer
Charterwoche möglichst viele Facetten des ungarischen Binnenmeeres
sehen. Schade nur, dass allenfalls eine leichte Brise das
spiegelglatte, türkisblaue Wasser kräuselt. Unser Tagesziel
ist im Westen die nur vier Kilometer entfernte Halbinsel
Tihany. Auf deren Fels thront in 219 Metern Höhe die am
meisten fotografierte Kirche Ungarns. Da wir unter Segeln
weniger als einen Knoten Fahrt machen, klappen wir dem Beispiel
ungarischer Crews folgend die Badeleiter herunter, springen
vom Bugkorb ins nahezu badewannenwarme Nass und klettern
achtern wieder an Bord. Abduschen erübrigt sich, denn das
Wasser ist nicht nur sauber, sondern auch süß. Vor dem Wind
treiben wir Tihany entgegen, dankbar für jeden Hauch, der
den Segeln etwas Form gibt. Der Berg von Tihany, an dessen
Osthang weiße Villen in eine Parklandschaft eingebettet
sind, ist für Einheimische und Urlauber ein bevorzugter
Wohnort. Wir steuern den Hafen der Fahrgastlinie Mahart
an. Dort gibt es neben der Pier für Personenfähren einen
Anleger für ein Dutzend Yachten. Wie die Nachbarboote machen
wir mit Bug zum Kai und Heckanker fest. Die Wanderung bergauf
zum Dorf bietet imposante Ausblicke auf das ungarische Meer.
Oben auf dem Plateau ist der Besuch der Abtei ein Muss. Es
ist eine der ältesten Kirchen Ungarns. Zu Beginn des 11.
Jahrhunderts besiedelten die Magyaren das Land um den Plattensee.
König Endre I. ließ 1055 in Tihany die Kirche und ein Benediktinerkloster
bauen. Es sind die ältesten Gebäude am Balaton. Um den Sakralbau
gruppiert sich ein mittelalterliches Dorf. Vor den reetgedeckten
Häusern bieten die Ungarn Töpferwaren, Paprika-Ketten und
Wein aus eigenem Anbau an. Dazwischen locken kleine Weinstuben
zum Verkosten des Rebensaftes direkt aus dem Fass. "Tihany
ist scheenster Ort von die Welt", sagt ein alter Mann, an
dessen Fass wir nicht vorbeigekommen sind. Wenn man sich
vorher darauf einigt, dass Ungarn das schönste Land der Welt
ist, hat er möglicherweise recht. Wir sitzen auf Holzbänken
im Freien, genießen kühlen Riesling und den Blick auf den
See.
Am Abend liegen wir in der Yacht-Maria Tihany fest. Der
kleine Hafen bietet den Komfort einer modernen Marina. Wie
in Balatonfüred ist alles sauber und gepflegt, nur wesentlich
ruhiger. Viele Boote sind Dauerlieger aus Budapest, Süddeutschland
oder Österreich. Wir bezahlen den pauschalen Liegeplatzpreis
von 1500 Forint, etwa 13 Mark, sowie 300 Forint pro Person.
Gegenüber der Marina frage ich in einer Pension namens 'Tihany
Gyönygye Villa', welches Gasthaus in Tihany zu empfehlen
ist und wo man ein Taxi für den Weg bergauf bestellen kann.
Anstatt eine Antwort zu geben, überlegt Andras, der Inhaber
der Pension, nicht lange und fährt uns in drei Minuten die
kurvenreiche Piste hinauf bis ins 'Ciprian', ein Restaurant
mit Atrium. Geld will unser Fahrer dafür nicht. Statt dessen
lädt er uns zum Frühstück in seine Pension ein. Im 'Cyprian'
ordern wir eine Balaton-Fischplatte für drei Personen, Salate
und Beilagen. Barsch, Hecht und Zander sind exzellent zubereitet
und die Portionen so reichlich, dass wir sie nicht schaffen.
Am Ende zahlen wir inklusive drei Krügen Riesling 4300 Forint,
etwa 37 Mark. Nach ausgiebigem Frühstück am nächsten Tag
in der Gyönygye-Villa setzen wir die Segel. Mit auflandigem
Morgenwind passieren wir die nur 1200 Meter breite Enge
bei Tihany. Autofähren pendeln hin und her. Doch dann ist
der Wind wie abgestellt. Im 26 Grad warmen Wasser schwimmen
wir schneller, als das Boot segelt. Und unser Tagesziel,
der Weinberg Badacsony, liegt 30 Kilometer westlich. Er
ist im Dunst nicht mal zu erahnen. Wenn wir weiter in der
Flaute dümpeln, brauchen wir eine Woche bis zum berühmtesten
Weinberg des Landes. Wir haben einen Einbaudiesel - sollen
wir ihn verbotenerweise starten? 1979 wurde das Motorverbot
streng gehandhabt, doch als zwei Yachten unter Maschine
näher kommen, werfen wir den Diesel an, rollen die Genua
weg und lassen als Alibi das Groß stehen. Die Polizei auf
dem See zeigt kein Interesse an uns.
Um 22 Uhr steuern wir im letzten Licht in den Hafen unterhalb
des Weinbergs. Am Gästesteg bekommen wir einen Liegeplatz.
Auch hier wird mit Bug zum Steg und Heckanker festgemacht,
allerdings für satte 4000 Forint, obwohl auch dieser Hafen
der Mahart gehört. Im Clubgebäude gibt es eine Bar, einen
Bootsshop, das Hafenmeisterbüro und sanitäre Einrichtungen.
Der Schock: Toiletten und Duschen sind primitiv, eng und
atmen noch den Charme des Sozialismus. Der einzige Grund,
in der Marina zu bleiben, ist der Weinberg Badacsony. Schon
die Römer sollen hier Reben gepflanzt haben. Vorbei an Weinkellern,
die auf deutsch zur Verkostung laden, steigen wir zum 'Róza-Szegedy-Haus'
hinauf, einem volkstümlichen Barockhaus mit Bogengang, und
weiter zum Keller Elisabeth. Vor dem steinernen Häuschen ranken Weinstöcke über
eine Terrasse aus gestampftem Lehm. Im Schatten des Weinlaubs
stehen alte Holztische und -bänke, in die Generationen fröhlicher
Zecher ihre Namen eingravierten. Durch das Steinhaus gelangt
man in den niedrigen Stollen, der voll ist mit alten Holzfässern.
Ein alter Ungar hebt goldgelben Wein und füllt ihn in Steingutkrüge.
"Elisabeth war meine Mutter", sagt der Weinbauer, sie ist
schon lange tot. "Aber den Grauen Mönch mache ich genauso
wie sie." Er füllt jedem von uns einen Steingutbecher zum
Probieren. Der liebliche Graue Mönch, der hier auf heißem
Basaltstein reift und vor Ort gekeltert wird, schmeichelt
dem Gaumen. Der Name stammt aus dem Mittelalter", erklärt
der Weinbauer. "Damals hatten sie aus Wien einen Klosterbruder
hergeschickt, um uns im Glauben zu unterweisen. Der einsame
Bruder liebte die sinnlichen Freuden. Nach einer durchzechten
Nacht soll er ganz grau ausgesehen haben. Seitdem hat der
Wein seinen Namen." Je höher die Sonne über den Balaton
steigt, desto voller wird es vor dem Keller der Elisabeth.
Es sind Sachsen, Thüringer und Bayern, die den Ort seit
Jahren kennen und schon bald in fröhlichen Gesang verfallen.
Krug auf Krug muss der Sohn der Elisabeth aus dem Keller
holen. Für einen Liter verlangt er 200 Forint (1,70 Mark).
Dazu gibt es selbstgebackenes Schwarzbrot - in Ungarn eine
seltene Delikatesse. Die ofenwarmen Scheiben sind mit Schmalz
bestrichen und mit grob geheckselten, scharfen Paprika bestreut.
Unser Törn entlang der Nordküste des Balatons führt zwangsläufig
zu weiteren Weinbergen. Wir segeln sechs Kilometer westlich
nach Szigliget. Auch diese offene Fingerpier ist Anleger
für Mahart-Schiffe. Yachten dürfen an der Ostseite festmachen,
entweder mit Bug oder mit Heck zur Pier. Hier kommt niemand
zum Kassieren. WC und Wasseranschluss vom Passagierkai dürfen
genutzt werden. Nur bei Ostwind möchte ich hier nicht liegen.
Nach 20minütigem Fußmarsch vorbei an schönen Einfamilienhäusern
und kleinen Pensionen erreichen wir den größten Weinkeller
Ungarns. Das 120 Meter lange Gewölbe von Szigliget beherbergt
ein Weinmuseum und eine 40 Meter lange Gästetafel zwischen
meterhohen Fässern. Serviert wird ein rustikales Abendbrot
mit Wurst, Speck, Knoblauch und Paprika. Jeder Gast kann
bei der Verkostung entscheiden, aus welchem Fass er seinen
Rebensaft gezapft haben möchte. Pfeifen in den Wanten und
unruhige Schiffsbewegungen wecken uns am nächsten Morgen.
Der Wind hat aufgefrischt, zum Glück aus Nordwest. An der
Pier von Szigliget wiegt sich unser Boot im Seegang. Wir
lösen die Festmacher und holen den Heckanker ein. Im Schutz
der Weinberge segeln wir ostwärts nach Ábráhamhegy. Es sind
nur neun Kilometer bis dorthin, und wir haben achterlichen
Wind. Der bläst mit 4 bis 5 Beaufort und lässt erahnen,
dass
der Balaton zeitweise auch ungemütlich sein kann. Die Sicht
hat sich so verschlechtert, dass das Südufer mit seinen Badeorten
und sommerlichem Massentourismus nicht mehr ausgemacht werden
kann. Doch wir finden sicher nach Ábráhamhegy. Die neue Marina
schützt bei allen Winden, allein, es fehlen noch einige
Stege. Für die wenigen freien Boxen ist unser Boot zu breit;
wir gehen längsseits an eine Schute. Der Hafenmeister in
Ábráhamhegy ist ein etwas kauziger, älterer Mann, den wir
Vater Abraham nennen. Er residiert samt Hund in einem Bauwagen
neben dem Eingangstor und erklärt, die Sanitäranlagen seien
noch nicht fertig. Wir möchten zum Duschen ins Freibad nebenan
gehen. Als wir mit nassen Haaren zurückkommen, flüstert
Vater Abraham: "Heute ist Mittwoch, da müsst ihr in die 'Rizapuszta'
gehen, eine Stunde von hier, oben in den Bergen. Mittwochs
ist Weinprobe, und die schönsten Zigeunerinnen tanzen für
euch." Welch eine Aussicht ... Als wir uns von Kellermeister
Bartok verabschieden, einem 60jährigen Ungarn mit dickem
Schnauzbart, Filzhut und wienerischem Dialekt, ist es längst
dunkel. Morgen wird es Zeit, den Rücktörn anzutreten.
Bodo Müller
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Ungarische Rhapsodie
(Reisebericht aus
der YACHT Heft 16/2006
von Bodo Müller) Mein Gott, ist das heiß! Nach
der ersten Nacht an Bord fliehen wir aus der Backofenglut der Kajüte
und springen in die badewannenwarmen Fluten des Plattensees. Zumindest
für kurze Zeit schafft das Abkühlung. Morgens um halb acht steht die
Sonne gnadenlos am strahlblauen Himmel – Ferien, wie wir sie uns
wünschten.
Nur eine Flugstunde liegt der schmuddelige norddeutsche Sommer hinter
uns. Die Gegend hier kann es – zumindest von Mai bis September – in
punkto Temperatur locker mit der Karibik aufnehmen. Das Thermometer am
Clubhaus der Koloska-Marina in Balatonfüred zeigt 35 Grad im Schatten,
das Wasser bringt es auf 24 Grad. Entsprechend die Clubkleidung aus
Badehose oder Bikini.
Morgens besucht uns Bootseigner László Munka, ein Urgestein der
ungarischen Segelszene und Eigner mehrerer Charteryachten, um uns ins
Boot einzuweisen. Unsere Hanse 291ist urlaubsklar ausgerüstet. Aus
Spaß frage ich nach einem GPS. Schmunzelnd holt László ein Hand-GPS
aus der Tasche und sagt: „Es ist sicher nicht einfach, sich auf dem
Balaton zu verirren. Aber im Gerät sind alle Weinkeller und die Wege
vom Hafen dorthin eingespeist.
Die Bootsübergabe ist rasch erledigt, einzig die Fahrradklingel am
Heckkorb weckt noch meine Neugier. Wozu die denn gut sei, frage ich.
Antwort: „ Die Deutschen brüllen bei Regatten immer `Raum`! Man kann
doch auch klingeln. Und ansonsten kann man, sollte gerade mal Flaute
herrschen, eine andere Crew zu einem Glas Wein einladen.“
Ich merkte schon, die traditionelle Seemannschaft wird in Ungarn ein
klein wenig anders interpretiert als daheim in Deutschland. Die
Menschen hier haben eine lockere Art, dem Segeln vor allem eins
abzugewinnen: Spaß. Bleibt zum Schluss noch die Frage des Proviants.
Doch statt in einen Supermarkt führt Laszlo uns zu einem der vielen
kleinen Imbiss-Lokale, die es rund um den Plattensee gibt. Wir
bestellen zum Frühstück Rührei mit Weißbrot. Pro Person kostet das 250
Forint – knapp ein Euro. Angesichts solcher Preise verzichten wir aufs
Kochen am Bord. Unser Einkauf in Balatonfüred reduziert sich auf
Minerealwasser, Sonnencreme und Sonnenhüte.
Vor der Koloska-Marina ist es zu Fuß eine Viertelstunde ins Zentrum
von Balatonfüred. Seinen einstigen Charme soll das alte Kur- und
Seebad aus der k. u. k. Zeit bald wiedererlangen. Noch aber pulsiert
das Leben nicht zwischen den alten Prachtbauten, sondern auf der
Imbissbuden-Meile parallel zum Seeufer.
Sonnenschutz, Wasser, frische Pfirsiche und Aprikosen, die nicht
EU-gerecht genormt sind, dafür aber köstlich schmecken, sind schnell
gekauft. Jetzt nichts wie raus aufs Wasser! Wir machen es wie die
Ungarn, lassen den Motor aus und legen unter Segeln ab. Bei nur einer
Windstärke ist das kein Kunststück.
Selbst auf dem Wasser stellt die Hitze alles in den Schatten, was wir
je auf dem Mittelmeer erlebt haben. Die Ungarn haben keine Hemmung,
beim Segeln einen bunten Sonnenschirm aufzuspannen oder die Badeleiter
unter zu lassen. Auf diese weise kann sich immer ein Crewmitglied
nachschleppen lassen.
Wir überqueren die Bucht von Tihany und machen in der gepflegten
Yachtmarina des Ortes fest. Hinter der Einfahrt legen wir an einer
karibisch anmutenden Bar unter weißen Sonnensegeln an. Eisgekühlter
Balaton-Muskotaly, der typische Weißwein des Plattensees, rundet den
ersten Schlag ab.
So angenehm man in der Bar im frischen Abendwind sitzt, so
enttäuschend ist leider das Essen. Es erinnert eher an Fastfood, nicht
die Spur von ungarischer Küche.
Dafür werden wir morgens entschädigt. Gegenüber der Marina liegt die
Pension Gyöngye Villa. Chefkoch Andras zaubert uns ein
Vier-Sterne-Frühstück zum Preis von vier Euro pro Nase. Doch die Sonne
brennt dermaßen, dass wir schnellstmöglich wieder auf den See wollen.
Unser Plan: Etappenweise an der bergigen Nordküste des Balatons bis
nach Keszthely segeln und von dort mit einem Abstecher zur Südküste
wieder zurück.
Zunächst kreuzen wir bei 3 Beaufort zur Enge von Tihany, wo eine
Autofähre den Plattensee quert. Weiter kommen wir nicht. Kurz vor
Mittag hängen wir in totaler Flaute. Richtung Westen, wo 30 Kilometer
entfernt unser Tagesziel Badacsony liegt, ist der See glatt wie ein
Spiegel. Motoren ist verboten, also wird das heute wohl nichts mehr.
Merkwürdigerweise weht östlich der Tihany-Enge weiterhin eine leichte
Briese. Die tief nach Süden in den Plattensee ragende Halbinsel bildet
eine Art Windscheide. Dort segeln wir ein bisschen. Die Hanse 291
springt schnell an, schon bei 2 bis 3 Beaufort und glattem Wasser
zeigt das Speedometer 5,7 Knoten.
Mittags festmachen im Hafen der Mahart-Schifffahtsgesellschaft. Wir
steigen hinauf zum malerisch gelegenen Dorf Tihany und dem wohl
meistfotografierten Kirchenbauwerk am Balaton. Der Blick von dort oben
über den See ist gigantisch. Die Abtei mit Museum und Kunstausstellung
ist ebenfalls einen Besuch wert.
Mit der Abendbrise kommen wir dann doch noch durch die Tihany-Enge und
machen einen halben Kilometer westlich des Fähranlegers im Tihanyer
Yacht Club fest. Der schön gelegene Hafen ist die Basis der Firma Sail
& Surf, bei der wir unsere Yacht gechartert haben. Andreas Novotny aus
Österreich hat die Segel- und Surfschule gegründet, er vermietet
Jollen für Tagesausflüge, den Kleinkreuzer Balaton 25 sowie in
Kooperation mit seinem ungarischen Partner Munka Charteryachten
zwischen 29 und 35 Fuß.
Abends treffen wir uns mit den beiden im Dorf, wo es gleich mehrere
urgemütliche Csardas-Lokale mit typisch ungarischen Speisen gibt. Wir
bestellen Zander mit gegrillter Paprika, dazu süffigen Tihany Zweigelt.
Beim Essen erzählen sie: Vor 1989 trafen sich am Balaton ost- und
westdeutsche Familien zum gemeinsamen Urlaub. Viele Ostdeutsche sind
dem See treu geblieben, in erster Linie wohl wegen der niedrigen
Preise. Die Gästezahlen aus der Vorwende-Zeit wurden aber nie wieder
erreicht. Die Ungarn haben mittlerweile sogar viel in Häfen und
Infrastruktur investiert. Der Balaton hat heute sauberes Wasser, und
es gibt eine Menge gute Marinas. Und Sonnenscheingarantie noch dazu.
Trotzdem sind die wenigen kleinen Charteranbieter bis heute nur
Insidern bekannt.
Am nächsten Tag stehen wir zeitig auf, fest entschlossen, die 30
Kilometer westwärts zum Weinberg Badacsony zu segeln. Eine Stunde lang
haben wir Rasmus auf unserer Seite. Kaum aber sind wir mitten auf dem
See, erneut Windstille. Die Yachten neben uns haben längst die
Sonnenschirme aufgespannt und die Badeleiter rausgeklappt. Ich
hingegen zupfe noch an den Schoten und versuche, jedem Lufthauch einen
bescheidenen Vortrieb abzuringen. Die Logge dankt es mir mit 0,2
Knoten Fahrt. Bei dieser Geschwindigkeit werden wir sechs Tage bis
Badacsony brauchen.
Was tun, wenn man auf dieser riesigen Badewanne in der Flaute hängt?
Die Antwort kommt uns entgegen. Eine Yacht nähert sich seltsam
schnell. Die Crew hat die Genua weggerollt, das Groß mittig geschotet
und „segelt“ langsam bei leise laufender Maschine. Das also scheinen
die Gesetzeshüter stillschweigend zu akzeptieren. Wir machen es
genauso.
Spätabends erreichen wir mit der untergehender Sonne die zu Füßen des
437 Meter hohen Weinbergs gelegene Marina Badacsony. So heiß es auch
ist, ein Aufstieg auf die Hügel gehört zum Pflichtprogramm. An jeder
Ecke lockt eine Weinschenke zum Verweilen. Ob lieblicher Muskotaly,
trockener Zweigelt, würziger Blaustengler oder tiefroter
Balaton-Merlot – es gibt immer einen Grund zur Rast, um dabei den
ständig schöner werdenden Ausblick zu genießen.
Auf dem Badacsony liegen nicht nur die meisten Keller und Weinlokale,
sondern dort steht auch das Rosa-Szegedy-Haus der einst berühmtesten
Winzerfamilie der Region. Heute beherbergt es ein Museum. Zum Abstieg
wollen uns die Füße nicht mehr so recht tragen. Wir heuern einen alten
russischen Armee-Jeep an. Die Geländewagen der seinerzeit ungeliebten
Besatzer sind bunt angemalt und kutschieren heute in friedlicher
Mission die von den Exkursionen erschöpften Touristen vom Berg zurück
nach unten.
Mit dem Boot hangeln wir uns weiter an der bergigen Nordküste entlang.
Über die kleinen Orte Szigliget und Vonyarcvashegy erreichen wir mit
Keszthely das Westufer des Plattensees. Keszthely und auch das
benachbarte Heviz waren zur k. u. k. Monarchie die schönsten Kurorte
vor den Toren Wiens.
Wir machen an der Stadtmole fest und wundern uns, warum keine andere
Boote zu sehen sind. Im Ort ist das Bemühen erkennbar, den alten
Charme wiederzubeleben, wenngleich die Spuren des Sozialismus noch
lange nicht getilgt sind. Sehenswert ist das Barockschloss, wo zur
Sommerzeit Konzerte und Theaterstücke aufgeführt werden.
Als wir zum Anleger zurückkehren, dröhnt von dem benachbarten Strand
die Disko derart laut, dass es kaum auszuhalten ist. Rasch lösen wir
bei Sonnenuntergang die Festmacher und segeln nach Südosten, um einen
lauschigeren Platz zu finden. Doch bereits der Vercharterer hatte uns
gewarnt: Die Südküste, das ist das Dorado für den billigen
Massentourismus.
Nachts um 2 Uhr geben wir auf und werfen vor Fonyod den Anker – weit
genug vom Ort entfernt, damit wir in Ruhe schlafen können. Doch schon
am nächsten Morgen drängen sich Tausende Urlauber am Strand und im
flachen Wasser.
Wir setzen die Segel und lassen die Südküste hinter uns. Zurück nach
Osten. Einen Tag lang genießen wir herrliches Segeln bei leichtem Wind
und Sonne statt. Als wir im Abendlich erneut die Tihany-Enge
passieren, überkommt uns bereits ein wenig Wehmut.
Bodo Müller |
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